Der Lehrer Alberto Gamboa kommt aus Nicaragua und unterrichtet eigentlich in Managua - jetzt aber in Kemberg. Mit ihm sind gut 20 Lehrer aus Lateinamerika, Afrika, Osteuropa und Asien in diesen Wochen nach Deutschland gekommen

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Kemberg.

Brasilien, Ägypten oder Nicaragua – fragt man Kemberger Grundschüler nach diesen Ländern, müssen die Mädchen und Jungen auf einem Globus nicht lange suchen. Sie kennen Tiere und Pflanzen aus diesen Ländern, sie wissen wie Kinder dort leben.

Das ist ein ordentlicher Wissensvorsprung zu anderen Kindern ihres Alters und er fliegt den kleinen Kembergern durch regelmäßige Besucher zu. Dieser Tage ist es Alberto Arroliga Gamboa. Gamboa kommt aus Nicaragua, er ist Lehrer an der deutschen Schule in Managua und Hospitant des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) der Kultusminister-Konferenz.

Mit ihm sind gut 20 Lehrer aus Lateinamerika, Afrika, Osteuropa und Asien in diesen Wochen nach Deutschland gekommen. Einer gemeinsamen zweiwöchigen Seminarzeit in Jena folgten die Hospitanzen. Den 36-Jährigen führte das Programm an die Kemberger Grundschule.

Überraschend ruhig

„Ich kannte Kemberg und auch Jena nicht und musste erst einmal auf der Karte nachschauen“, erzählt Alberto Arroliga Gamboa. Für jemanden, der in der Millionenstadt Managua unterrichtet, ist Kemberg ein Dorf, ein beschaulicher Ort. „Es ist überraschend wie ruhig es hier ist“, findet der junge Mann. Selbst bei den Kemberger Grundschülern hat er dies nach den ersten Tagen bemerkt.

„Unsere Kinder in Nicaragua sind wilder, aber das mag auch an der Hitze liegen“, spekuliert er. Neugierig aber sind die Mädchen und Jungen hier wie dort. „Sie fragen mich Sachen über meine Heimat, über die ich mir selbst noch keine Gedanken gemacht habe.“

Genau das gefällt Schulleiterin Kerstin Mensch, die den Gast gemeinsam mit ihren Kolleginnen ganz selbstverständlich in das kleine Team von fünf Lehrern und zwei pädagogischen Mitarbeitern integriert hat. Wie das am besten funktioniert, weiß man in Kemberg längst. Zum dritten Mal nimmt die Schule innerhalb des PAD-Programms einen Hospitanten auf. Waren es bisher Lehrerinnen aus Brasilien und Ägypten, so ist es diesmal ein Lehrer, der den 81 Kindern etwas aus der weiten Welt in die kleine Stadt bringt.

Deutschstunden in Nicaragua

„Die Schüler sind jedes Mal begeistert, wenn wir Gäste haben und in den Pausen ist Alberto dicht umringt“, berichtet Kerstin Mensch. „Lehrreich und bereichernd“ beschreibt sie den Austausch, bei dem beide Seiten eine Menge übereinander, das Leben und Lernen und Unterrichten im jeweils anderen Land erfahren. Alberto Arroliga Gamboa hat vor allem ein Auge auf die Lehrmittel. „Mich interessiert, mit welchen Büchern man hier arbeitet, wie die Abläufe sind“, sagt der Deutschlehrer, der in seiner Heimat Kinder von der ersten bis zur zwölften Klasse in Deutsch unterrichtet. 900 Schüler besuchen die Deutsche Schule in Managua, in der Gamboa selbst auch lernte.

Das lag auf der Hand, denn sein Stiefvater ist ein deutscher Entwicklungshelfer und mit seinen Eltern lebte er in der Kindheit deshalb auch einige Zeit in Berlin und Dresden. Das Deutsch des Lehrers ist perfekt. „Es gibt viele Verbindungen zwischen unseren Ländern“, erzählt er und nennt die Vielzahl deutscher Auswanderer in Nicaragua und die freundschaftlichen Beziehungen, die die DDR einst in das lateinamerikanische Land pflegte.

Das Schulhaus, in dem Alberto Arroliga Gamboa unterrichtet, trägt den Namen „Leipzig“. Da wundert es nicht, wenn er in den kommenden Tagen der Stadt noch einen Besuch abstattet. Kerstin Mensch begleitet ihn dabei. Sie ist die Gastfamilie, die den jungen Lehrern ein Zuhause auf Zeit gibt. Dessau und Wittenberg wurden schon besucht, ein Gymnasium in Hamburg ebenso.

Viel Programm also für Deutschlehrer Gamboa, der nicht nur hospitiert, sondern auch unterrichtet und damit zu einer „echten Hilfe und Unterstützung“ geworden ist, nachdem zwei Kolleginnen erkrankten. So steht der Mann aus Nicaragua denn auch vor einer vierten Klasse und übernimmt den Matheunterricht.

Er erzählt den Kindern, wie die Mayas multiplizierten. „Die Methode kannte ich, aber ihren Ursprung nicht“, hat auch Schulleiterin Kerstin Mensch dazu gelernt. Und natürlich wird man beim PAD auch beim nächsten Mal wieder einen Antrag stellen. Die Kemberger Grundschule hat erkannt, welche Bereicherung solch ein Gast sein kann. Nachahmer könnte es durchaus mehr geben. Alberto Arroliga Gamboa ist aktuell der einzige Hospitant in Sachsen-Anhalt.